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Gauting | | von Unser Würmtal
Modell zur geplanten Bebauung des AOA-Geländes.
Modell zur geplanten Bebauung des AOA-Geländes. (Foto: Gemeinde Gauting)

Gautinger Gemeinderat weiterhin uneins über Bebauung des AOA-Geländes

Auf dem knapp drei Hektar großen Areal zwischen Ammersee-, Danziger, Pötschener- und Paul-Hey-Straße entwickelt die Gemeinde Gauting ein neues Wohngebiet. Laut letztem Beschluss des Gemeinderats sollen neben Wohnbebauung eine Kindertageseinrichtung und ein Supermarkt entstehen. Gewerbe ist allerdings nicht vorgesehen. Dies stößt bei der Opposition auf viel Kritik.

Im Oktober 2020 tagte der Gautinger Gemeinderat zweimal in gleicher Sache. Die Räte konnten sich in der ersten Sitzung nicht zum Bebauungsplan 100 einig werden und vertagten die Entscheidung zur Bebauung des AOA-Geländes. Dieses hat insgesamt vier Eigentümer: neben der Gemeinde Gauting noch die Familie Diehl als ursprünglicher Eigentümer des AOA-Geländes, sowie das Katholische Siedlungswerk und den Verband Wohnen, die jeweils sozialverträglichen Wohnungsbau realisieren wollen.

Während noch in der ersten Sitzung eine breite Opposition gegen die CSU-Pläne von Wohnen plus Supermarkt bestand, votierten die Grünen in der zweiten Sitzung ebenfalls für dieses Modell, so dass der Rat den Bebauungsplan mehrheitlich verabschieden konnte.

„Ich freue mich, dass wir den mehrheitlichen Konsens erreicht haben“, meinte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger. „Für mich ist es ein Herzensprojekt. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum in Gauting, um Handwerker, Erzieher und vor allem unsere Jugend am Ort halten zu können.“ Auch wenn die tatsächliche Anzahl der Wohnungen noch nicht feststehe, könnten rund 700 oder vielleicht sogar mehr Bürger aufs AOA-Gelände hinziehen. „Wichtig ist uns der Supermarkt, der auch die Unterbrunner versorgen könnte“, so Kössinger.

Grüne wollen sozialökologische Mustersiedlung realisieren

Grünen-Fraktionssprecher Heinz Moser begrüßte ebenfalls den mehrheitlichen Konsens. „Wir möchten hier eine sozialökologische Mustersiedlung realisieren. Die Entwicklung solch eines großen Areals in Bahnhofsnähe bietet eine große Chance für den Ort. Besonders in Bezug auf die Mobilität könnten wir ganz neue Weg gehen.“

Mit Car- und Bikesharing-Angebot, fahrradnah, wenig Parkplätzen und viel Grün – so sehe er das Neubaugebiet. „Hierzu müssen wir als politische Instanz noch genaue Ziele formulieren. Das fehlt mir noch“, sagte er. Schließlich gelte es, städtebauliche Fragen zur maßvollen Verdichtung des Ortes und zur zukünftigen ausgewogenen Balance zwischen Arbeit, Wohnen und Freizeit zu beantworten. „Die Umgebung soll partizipieren“, forderten die Grünen weiter.

Gewerbe nicht vergessen!

Im Wohnkonzept plus Supermarkt blieb ein Punkt vergessen, so die Opposition aus MiFü, FDP und MfG: das Gewerbe. „Hier sind rund 15.000 Quadratmeter Gewerbeflächen, die seit 2014 leer standen und die nun in ein reines Wohngebiet umgewandelt werden sollen“, erklärte FDP-Fraktionssprecher und dritter Bürgermeister Markus Deschler. „Der Standort ist gut vermarktbar und wir brauchen Gewerbeflächen. Warum nicht Flächen für Gewerbe und Büros vorsehen, wie zum Beispiel für IT-Firmen und für stilles Gewerbe. Die Gemeinde braucht dringend Gewerbesteuereinnahmen. Wir können es uns gar nicht leisten, hier nur Wohnraum zu schaffen.“

FDP vermisst großen städtebaulichen Entwurf

Leider halte die Mehrheit aus CSU und Grüne am „unbeweglichen Tanker Wohnen plus Supermarkt“ fest. „Das ist ein bewährtes Modell, das durchgedrückt werden soll ohne jede Diskussion“, kritisierte auch Britta Hundesrügge (FDP). „Aber wo bleibt die Gautinger Identität, das Besondere, das unseren Ort ausmacht, die Gautinger Lösung auf Gautinger Fragen? Wir erwarten einen großen städtebaulichen Entwurf und kein Klein-Klein. Dafür setzen wir uns ein.“

Der Supermarkt könne gerne durch Bäcker, Metzger, Café und mehr ersetzt werden. „Den Supermarkt gibt es dann am Bahnhof, und der ist nur 800 Meter entfernt“, so Deschler. Damit bliebe auch die Regionalität erhalten. „Die CSU setzt in unseren Augen zu sehr auf Urbanisierung und zerstört damit den Charme unseres Ortes. Am Ende wird Gauting urbane Vorstadt werden“, meinte er. „Damit vergeben wir uns viel Potenzial. Wir könnten ruhig mit mehr Selbstbewusstsein an die Entwicklung des Gebietes herangehen.“

Wie geht es jetzt weiter?

Im Moment sitzt die Verwaltung an der Überarbeitung des Bebauungsplans 100, wie vom Mehrheitsbeschluss vorgegeben. „Dazu zählen auch differenzierte Aussagen zum klimafreundlichen Bauen und dem Mobilitätskonzept“, erklärte Kössinger. Wahrscheinlich ab Mitte Januar kommt es zur nächsten öffentlichen Auslegung des Plans mit anschließender Diskussion und Bürgerbeteiligung.


Redaktion: Ulrike Seiffert / Unser Würmtal

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Modell zur geplanten Bebauung des AOA-Geländes.
Modell zur geplanten Bebauung des AOA-Geländes. (Foto: Gemeinde Gauting)

Gautinger Gemeinderat weiterhin uneins über Bebauung des AOA-Geländes

Auf dem knapp drei Hektar großen Areal zwischen Ammersee-, Danziger, Pötschener- und Paul-Hey-Straße entwickelt die Gemeinde Gauting ein neues Wohngebiet. Laut letztem Beschluss des Gemeinderats sollen neben Wohnbebauung eine Kindertageseinrichtung und ein Supermarkt entstehen. Gewerbe ist allerdings nicht vorgesehen. Dies stößt bei der Opposition auf viel Kritik.

Im Oktober 2020 tagte der Gautinger Gemeinderat zweimal in gleicher Sache. Die Räte konnten sich in der ersten Sitzung nicht zum Bebauungsplan 100 einig werden und vertagten die Entscheidung zur Bebauung des AOA-Geländes. Dieses hat insgesamt vier Eigentümer: neben der Gemeinde Gauting noch die Familie Diehl als ursprünglicher Eigentümer des AOA-Geländes, sowie das Katholische Siedlungswerk und den Verband Wohnen, die jeweils sozialverträglichen Wohnungsbau realisieren wollen.

Während noch in der ersten Sitzung eine breite Opposition gegen die CSU-Pläne von Wohnen plus Supermarkt bestand, votierten die Grünen in der zweiten Sitzung ebenfalls für dieses Modell, so dass der Rat den Bebauungsplan mehrheitlich verabschieden konnte.

„Ich freue mich, dass wir den mehrheitlichen Konsens erreicht haben“, meinte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger. „Für mich ist es ein Herzensprojekt. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum in Gauting, um Handwerker, Erzieher und vor allem unsere Jugend am Ort halten zu können.“ Auch wenn die tatsächliche Anzahl der Wohnungen noch nicht feststehe, könnten rund 700 oder vielleicht sogar mehr Bürger aufs AOA-Gelände hinziehen. „Wichtig ist uns der Supermarkt, der auch die Unterbrunner versorgen könnte“, so Kössinger.

Grüne wollen sozialökologische Mustersiedlung realisieren

Grünen-Fraktionssprecher Heinz Moser begrüßte ebenfalls den mehrheitlichen Konsens. „Wir möchten hier eine sozialökologische Mustersiedlung realisieren. Die Entwicklung solch eines großen Areals in Bahnhofsnähe bietet eine große Chance für den Ort. Besonders in Bezug auf die Mobilität könnten wir ganz neue Weg gehen.“

Mit Car- und Bikesharing-Angebot, fahrradnah, wenig Parkplätzen und viel Grün – so sehe er das Neubaugebiet. „Hierzu müssen wir als politische Instanz noch genaue Ziele formulieren. Das fehlt mir noch“, sagte er. Schließlich gelte es, städtebauliche Fragen zur maßvollen Verdichtung des Ortes und zur zukünftigen ausgewogenen Balance zwischen Arbeit, Wohnen und Freizeit zu beantworten. „Die Umgebung soll partizipieren“, forderten die Grünen weiter.

Gewerbe nicht vergessen!

Im Wohnkonzept plus Supermarkt blieb ein Punkt vergessen, so die Opposition aus MiFü, FDP und MfG: das Gewerbe. „Hier sind rund 15.000 Quadratmeter Gewerbeflächen, die seit 2014 leer standen und die nun in ein reines Wohngebiet umgewandelt werden sollen“, erklärte FDP-Fraktionssprecher und dritter Bürgermeister Markus Deschler. „Der Standort ist gut vermarktbar und wir brauchen Gewerbeflächen. Warum nicht Flächen für Gewerbe und Büros vorsehen, wie zum Beispiel für IT-Firmen und für stilles Gewerbe. Die Gemeinde braucht dringend Gewerbesteuereinnahmen. Wir können es uns gar nicht leisten, hier nur Wohnraum zu schaffen.“

FDP vermisst großen städtebaulichen Entwurf

Leider halte die Mehrheit aus CSU und Grüne am „unbeweglichen Tanker Wohnen plus Supermarkt“ fest. „Das ist ein bewährtes Modell, das durchgedrückt werden soll ohne jede Diskussion“, kritisierte auch Britta Hundesrügge (FDP). „Aber wo bleibt die Gautinger Identität, das Besondere, das unseren Ort ausmacht, die Gautinger Lösung auf Gautinger Fragen? Wir erwarten einen großen städtebaulichen Entwurf und kein Klein-Klein. Dafür setzen wir uns ein.“

Der Supermarkt könne gerne durch Bäcker, Metzger, Café und mehr ersetzt werden. „Den Supermarkt gibt es dann am Bahnhof, und der ist nur 800 Meter entfernt“, so Deschler. Damit bliebe auch die Regionalität erhalten. „Die CSU setzt in unseren Augen zu sehr auf Urbanisierung und zerstört damit den Charme unseres Ortes. Am Ende wird Gauting urbane Vorstadt werden“, meinte er. „Damit vergeben wir uns viel Potenzial. Wir könnten ruhig mit mehr Selbstbewusstsein an die Entwicklung des Gebietes herangehen.“

Wie geht es jetzt weiter?

Im Moment sitzt die Verwaltung an der Überarbeitung des Bebauungsplans 100, wie vom Mehrheitsbeschluss vorgegeben. „Dazu zählen auch differenzierte Aussagen zum klimafreundlichen Bauen und dem Mobilitätskonzept“, erklärte Kössinger. Wahrscheinlich ab Mitte Januar kommt es zur nächsten öffentlichen Auslegung des Plans mit anschließender Diskussion und Bürgerbeteiligung.


Redaktion: Ulrike Seiffert / Unser Würmtal

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