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Natur | | von Unser Würmtal
Die als Methusalem-Bäume bezeichneten Eichen sind auf dem Foto markiert (Foto: Unser Würmtal)
Die als Methusalem-Bäume bezeichneten Eichen sind auf dem Foto markiert (Foto: Unser Würmtal)

Maria-Eich - Greenpeace klagt an!

Greenpeace beklagt massive Verstöße gegen das Schutzkonzept „Eremiten im Klosterwald Maria Eich“

Der im Bereich des Klosters Maria-Eich anzutreffende Wald ist ein ehemaliger Hutewald (Waldweide). Mehr als 50 mächtige und bis zu 300 Jahre alte Eichen wurden ursprünglich wegen der Eicheln als Nahrungsquelle für Schweine angepflanzt. Eichenwälder, wie der Klosterwald, kommen natürlicherweise in Süd-Bayern äußerst selten vor. Die Buchen würde flächenmäßig dominieren und die Stiel-Eichen verdrängen.

Aufgrund der hohen naturschutzfachlichen und kulturhistorischen Bedeutung des Klosterwaldes wurde 2015 ein Biodiversitätprojekt gestartet. Am Projekt sind die Erzdiözese München und Freising, das Augustiner Kloster Maria Eich, die Gemeinde Planegg, das Landratsamt München sowie der Forstbetrieb München der Bayerischen Staatsforsten beteiligt. Ziel dieses Projektes ist der Erhalt der wertvollen Stiel-Eichen.

Eremit-Käfer (Weibchen) werden bis knapp vier Zentimeter groß (Foto: Wikipedia)
Eremit-Käfer (Weibchen) werden bis knapp vier Zentimeter groß (Foto: Wikipedia)

Eine Untersuchung im Jahr 2015 konnte in den aufgrund ihres hohen Alters auch als Methusalem-Bäume bezeichneten Eichen 220 Holzkäferarten nachweisen, davon 88 Arten der Roten Liste. Naturschutzfachlich von größter Bedeutung sind 8 Urwaldreliktkäferarten; darunter der Eremit (Osmoderma eremita) und der Kurzhornschröter (Aesalus scarabaeoides).

Greenpeace beklagt Profitgier

Anfang dieses Jahres wurden im geschützten Klosterwald von Maria-Eich nördlich der Germeringer Straße umfangreiche Waldarbeiten und Baumfällungen durch den Forstbetrieb München der Bayerischen Staatsforsten durchgeführt.

Greenpeace schreibt in einer mit "Waldrodung bei Maria Eich" überschriebenen Pressemeldung, dass sich Greenpeace München basierend auf Nachfragen von Anwohnern den erfolgten Eingriff näher angeschaut hat und gravierende Abweichungen vom bestehenden Schutzkonzept festgestellt habe. Dazu Ursula Hahn von Greenpeace München: „Dass neben hauptsächlich alten Laubholzstämmen viele Fichten stehengeblieben sind, lässt nur den Schluss zu, dass die Bäume aus dem Wald geholt wurden, die den meisten Profit einbringen.“

Das Schutzkonzept sieht Eichen als hauptsächliche Zielbaumart vor. Jedoch wurden heuer viele Eichen gefällt, während Fichten stehen gelassen wurden. Außerdem wurden auch Eichen mit Spechthöhlen entfernt, obwohl gerade Specht- und Käferhöhlen für die Förderung der Artenvielfalt unabdingbar sind. Entgegen der Zielvorgabe im Schutzkonzept, bei Pflegemaßnahmen Hochstubben als Totholz zu erhalten, wurde dieses Jahr ausnahmslos bodennah gefällt. So die Feststellungen von Greenpeace.

Forstbetrieb München kontert

Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder findet schon das Wort "Waldrodung" sehr plakativ gewählt. "Wenn wir gerodet hätte würde kein Baum mehr stehen. Dann wäre der Wald weg," ärgert er sich. Die Maßnahmen wurden vorher mit den einzelnen am Projekt beteiligten Partnern abgestimmt. Auch währende der Durchführung wurden immer wieder Begehungen mit den Partnern durchgeführt.

Der Forstbetrieb München hat im Februar diesen Jahres die hellgrüne Fläche bearbeitet (Skizze: Gemeinde Planegg)
Der Forstbetrieb München hat im Februar diesen Jahres die hellgrüne Fläche bearbeitet (Skizze: Gemeinde Planegg)

Eine am Profit orientierte Ausholzung würde laut Seerieder ganz anders aussehen. "Es werden nur die unteren vier Meter je abgeholztem Baum der Verwertung zugeführt. Wir haben nur 40% des gefällten Materials entnommen. Alles andere verbleibt im Wald, um wieder Totholz für die Weiterentwicklung des Schutzgebietes zu bilden. Bei einer profitablen Ausholzung würden 90 bis 95 Prozent des Materials heraus genommen," erklärt Seerieder. Die Staatforsten seien sogar von Spaziergängern per E-Mail gebeten worden, die kleineren Trampelpfade wieder freizuräumen. "Das können wir aber nicht leisten. Selbstverständlich räumen wir die Hauptwege wieder frei," fährt Seerieder fort. Zu den stehen gebliebenen Fichten meint Seerieder: "Auch eine Fichte ist ein wertvolles Mischungselement!"

"Bäume mit Spechthöhlen wurden ebenfalls nicht entfernt. Bei der Hiebsvorbereitung wurden alle zur Fällung vorgesehenen Bäume sorgfältig im 4-Augen-Prinzip auf Spechthöhlen überprüft. Auch diese Einlassung von Greenpeace ist unzutreffend," so Seerieder. Mit dem damit verknüpften Vorwurf, dass der Forstbetrieb München gegen den Artenschutz verstoßen habe, begäbe sich Greenpeace auf rechtlich "dünnes Eis"!

"Der beachtliche Nutzungsverzicht von rund 100 Festmeter verwertbaren Holzes im Wert von rund 8.000 € zugunsten liegenden Totholzes dokumentiert das zielkonforme Handeln der Projektallianz bzw. des Forstbetriebs und macht deutlich, dass der Greenpeace-Vorwurf des übertriebenen Profitstrebens nachweislich unzutreffend und offenkundig abwegig ist," stellt Seerieder abschließen fest.

Fachlich unfundiert?

Die Stellungnahme von Greepeace ist laut dem Leiter des Planegger Umweltamtes, Dr. Richter, fachlich unfundiert. Offensichtlich sei dort die wesentliche Zielsetzung des Schutzprojekts „Eremiten im Klosterwald“ nicht bekannt! "Das Hauptziel dieses Schutzprojektes ist der langfristige Erhalt von Methusalem-Bäumen, insbesondere Eichen, als lebensraumspende Bäume insbesondere für gefährdete, holzbewohnende Käfer, aber auch für Fledermäuse, Vögel, Pilze und Kleinsäuger," erklärt Richter.

"Um die Lebenserwartung der momentan noch nicht abgestorbenen Methusal-Eichen zu erhöhen sowie um das Wachstum der ihnen nachwachsenden „Potentialbäume“ zu beschleunigen, ist es unabdingbar, diese von umgebenden, bedrängenden Bäumen freizustellen. Insbesondere die zu schützenden Käferarten sind wenig mobil und können nicht auf weiter entfernte Biotopbäume wie z. B. den Eichelgarten im Forstenrieder Park ausweichen," fährt Richter fort.

Die Freistellungsaktion der Forstbehörde München im Februar 2023 hatte vor allem die oben beschriebenen Ziele. Die Arbeiten seien laut Richter so schonend wie nur möglich durchgeführt worden.

Wo war Greenpeace?

Sowohl Richter als auch Seerieder haben kein Verständnis für das Verhalten von Greenpeace: Nie sei jemand von Greenpeace zu den Projektvorstellungen gekommen. Vom BUND Naturschutz dagegen war Geschäftsführer Dr. Rudolf Nützel bei Begehungen anwesend und habe sich ausgesprochen lobend über die Arbeiten geäußert.

Vielleicht bewegt sich der eine oder andere Würmtaler für den Osterspaziergang in Richtung Klosterwald. Vom Parkplatz an der Germeringer Straße auf dem Wallfahrerweg nach Norden marschierend kann man sich sehr gut ein Bild den Waldarbeiten machen. Ein paar Schritte vom Weg in Richtung Kreuzwinkelstraße bzw. Jörg-Tömlinger-Straße zeigt auch was im Wald liegen geblieben ist. Und die mächtigen Eichen direkt am Wallfahrerweg sind im Gegensatz zu den Baum-Skeletten um die Waldfahrtskirche sehr beeindruckend. Außerdem kann man den Weg bis zum Handwerkerheim fortsetzen und dort einkehren - also das Informative mit dem Genüsslichen verbinden.

Redaktion Unser Würmtal / jh

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Die als Methusalem-Bäume bezeichneten Eichen sind auf dem Foto markiert (Foto: Unser Würmtal)
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Maria-Eich - Greenpeace klagt an!

Greenpeace beklagt massive Verstöße gegen das Schutzkonzept „Eremiten im Klosterwald Maria Eich“

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Der im Bereich des Klosters Maria-Eich anzutreffende Wald ist ein ehemaliger Hutewald (Waldweide). Mehr als 50 mächtige und bis zu 300 Jahre alte Eichen wurden ursprünglich wegen der Eicheln als Nahrungsquelle für Schweine angepflanzt. Eichenwälder, wie der Klosterwald, kommen natürlicherweise in Süd-Bayern äußerst selten vor. Die Buchen würde flächenmäßig dominieren und die Stiel-Eichen verdrängen.

Aufgrund der hohen naturschutzfachlichen und kulturhistorischen Bedeutung des Klosterwaldes wurde 2015 ein Biodiversitätprojekt gestartet. Am Projekt sind die Erzdiözese München und Freising, das Augustiner Kloster Maria Eich, die Gemeinde Planegg, das Landratsamt München sowie der Forstbetrieb München der Bayerischen Staatsforsten beteiligt. Ziel dieses Projektes ist der Erhalt der wertvollen Stiel-Eichen.

Eremit-Käfer (Weibchen) werden bis knapp vier Zentimeter groß (Foto: Wikipedia)
Eremit-Käfer (Weibchen) werden bis knapp vier Zentimeter groß (Foto: Wikipedia)

Eine Untersuchung im Jahr 2015 konnte in den aufgrund ihres hohen Alters auch als Methusalem-Bäume bezeichneten Eichen 220 Holzkäferarten nachweisen, davon 88 Arten der Roten Liste. Naturschutzfachlich von größter Bedeutung sind 8 Urwaldreliktkäferarten; darunter der Eremit (Osmoderma eremita) und der Kurzhornschröter (Aesalus scarabaeoides).

Greenpeace beklagt Profitgier

Anfang dieses Jahres wurden im geschützten Klosterwald von Maria-Eich nördlich der Germeringer Straße umfangreiche Waldarbeiten und Baumfällungen durch den Forstbetrieb München der Bayerischen Staatsforsten durchgeführt.

Greenpeace schreibt in einer mit "Waldrodung bei Maria Eich" überschriebenen Pressemeldung, dass sich Greenpeace München basierend auf Nachfragen von Anwohnern den erfolgten Eingriff näher angeschaut hat und gravierende Abweichungen vom bestehenden Schutzkonzept festgestellt habe. Dazu Ursula Hahn von Greenpeace München: „Dass neben hauptsächlich alten Laubholzstämmen viele Fichten stehengeblieben sind, lässt nur den Schluss zu, dass die Bäume aus dem Wald geholt wurden, die den meisten Profit einbringen.“

Das Schutzkonzept sieht Eichen als hauptsächliche Zielbaumart vor. Jedoch wurden heuer viele Eichen gefällt, während Fichten stehen gelassen wurden. Außerdem wurden auch Eichen mit Spechthöhlen entfernt, obwohl gerade Specht- und Käferhöhlen für die Förderung der Artenvielfalt unabdingbar sind. Entgegen der Zielvorgabe im Schutzkonzept, bei Pflegemaßnahmen Hochstubben als Totholz zu erhalten, wurde dieses Jahr ausnahmslos bodennah gefällt. So die Feststellungen von Greenpeace.

Forstbetrieb München kontert

Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder findet schon das Wort "Waldrodung" sehr plakativ gewählt. "Wenn wir gerodet hätte würde kein Baum mehr stehen. Dann wäre der Wald weg," ärgert er sich. Die Maßnahmen wurden vorher mit den einzelnen am Projekt beteiligten Partnern abgestimmt. Auch währende der Durchführung wurden immer wieder Begehungen mit den Partnern durchgeführt.

Der Forstbetrieb München hat im Februar diesen Jahres die hellgrüne Fläche bearbeitet (Skizze: Gemeinde Planegg)
Der Forstbetrieb München hat im Februar diesen Jahres die hellgrüne Fläche bearbeitet (Skizze: Gemeinde Planegg)

Eine am Profit orientierte Ausholzung würde laut Seerieder ganz anders aussehen. "Es werden nur die unteren vier Meter je abgeholztem Baum der Verwertung zugeführt. Wir haben nur 40% des gefällten Materials entnommen. Alles andere verbleibt im Wald, um wieder Totholz für die Weiterentwicklung des Schutzgebietes zu bilden. Bei einer profitablen Ausholzung würden 90 bis 95 Prozent des Materials heraus genommen," erklärt Seerieder. Die Staatforsten seien sogar von Spaziergängern per E-Mail gebeten worden, die kleineren Trampelpfade wieder freizuräumen. "Das können wir aber nicht leisten. Selbstverständlich räumen wir die Hauptwege wieder frei," fährt Seerieder fort. Zu den stehen gebliebenen Fichten meint Seerieder: "Auch eine Fichte ist ein wertvolles Mischungselement!"

"Bäume mit Spechthöhlen wurden ebenfalls nicht entfernt. Bei der Hiebsvorbereitung wurden alle zur Fällung vorgesehenen Bäume sorgfältig im 4-Augen-Prinzip auf Spechthöhlen überprüft. Auch diese Einlassung von Greenpeace ist unzutreffend," so Seerieder. Mit dem damit verknüpften Vorwurf, dass der Forstbetrieb München gegen den Artenschutz verstoßen habe, begäbe sich Greenpeace auf rechtlich "dünnes Eis"!

"Der beachtliche Nutzungsverzicht von rund 100 Festmeter verwertbaren Holzes im Wert von rund 8.000 € zugunsten liegenden Totholzes dokumentiert das zielkonforme Handeln der Projektallianz bzw. des Forstbetriebs und macht deutlich, dass der Greenpeace-Vorwurf des übertriebenen Profitstrebens nachweislich unzutreffend und offenkundig abwegig ist," stellt Seerieder abschließen fest.

Fachlich unfundiert?

Die Stellungnahme von Greepeace ist laut dem Leiter des Planegger Umweltamtes, Dr. Richter, fachlich unfundiert. Offensichtlich sei dort die wesentliche Zielsetzung des Schutzprojekts „Eremiten im Klosterwald“ nicht bekannt! "Das Hauptziel dieses Schutzprojektes ist der langfristige Erhalt von Methusalem-Bäumen, insbesondere Eichen, als lebensraumspende Bäume insbesondere für gefährdete, holzbewohnende Käfer, aber auch für Fledermäuse, Vögel, Pilze und Kleinsäuger," erklärt Richter.

"Um die Lebenserwartung der momentan noch nicht abgestorbenen Methusal-Eichen zu erhöhen sowie um das Wachstum der ihnen nachwachsenden „Potentialbäume“ zu beschleunigen, ist es unabdingbar, diese von umgebenden, bedrängenden Bäumen freizustellen. Insbesondere die zu schützenden Käferarten sind wenig mobil und können nicht auf weiter entfernte Biotopbäume wie z. B. den Eichelgarten im Forstenrieder Park ausweichen," fährt Richter fort.

Die Freistellungsaktion der Forstbehörde München im Februar 2023 hatte vor allem die oben beschriebenen Ziele. Die Arbeiten seien laut Richter so schonend wie nur möglich durchgeführt worden.

Wo war Greenpeace?

Sowohl Richter als auch Seerieder haben kein Verständnis für das Verhalten von Greenpeace: Nie sei jemand von Greenpeace zu den Projektvorstellungen gekommen. Vom BUND Naturschutz dagegen war Geschäftsführer Dr. Rudolf Nützel bei Begehungen anwesend und habe sich ausgesprochen lobend über die Arbeiten geäußert.

Vielleicht bewegt sich der eine oder andere Würmtaler für den Osterspaziergang in Richtung Klosterwald. Vom Parkplatz an der Germeringer Straße auf dem Wallfahrerweg nach Norden marschierend kann man sich sehr gut ein Bild den Waldarbeiten machen. Ein paar Schritte vom Weg in Richtung Kreuzwinkelstraße bzw. Jörg-Tömlinger-Straße zeigt auch was im Wald liegen geblieben ist. Und die mächtigen Eichen direkt am Wallfahrerweg sind im Gegensatz zu den Baum-Skeletten um die Waldfahrtskirche sehr beeindruckend. Außerdem kann man den Weg bis zum Handwerkerheim fortsetzen und dort einkehren - also das Informative mit dem Genüsslichen verbinden.

Redaktion Unser Würmtal / jh

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